SCHREIBER

Wer zum Teufel ist “Ich”?
Das Problem der eigenen Identität ist, dass man sie sich als das Ergebnis seiner Vergangenheit denkt. Will man dabei originell sein, strengt man sich an, seine Ecken zu schleifen die Kanten zu schärfen. Oder man belässt es dabei und sagt nichts Bewegendes, nichts Anstößiges und wartet, hofft auf irgend ein Ende.
Liefert man sich dem Status Quo aus, stellt man sein Denken ein, lächelt dabei irre, spricht wirres Zeug und lässt sich gönnerhaft auf die Schultern klopfen. Man ist unsichtbar, passt sich wie eine Flunder an.
Der Zynismus ist Salonfähig geworden. Was ist die Identität? Es ist schwierig die Existenz zu leugnen, genauso schwierig lässt sich die Vergangenheit, als den maßgebenden Faktor leugnen. Bezüglich Identität- ist es Zufall, dass flächendeckende Unternehmungen stattfinden, die vielversprechende Selbsterfahrungs-, Selbstheilungs- Selbstfindungsprozesse bei Schamanen, Rückführern, Indischen Meistern, Hausfrauen, Würdenträgern, Agenten, Priestern usw. versprechen?
Sicher- wenn das Elend der Identität nur halb so groß wäre, liessen sich die inneren Widersprüche, diese Spannungsbögen einfach leichter ertragen und man könnte sein Geld in Marschmelongs, Swimmingpools oder Grillzubehör investieren oder man widmet sein Leben der Erforschung und Entwicklung alternativer Energiegewinnung, statt am Boden zu kauern und seinen Urängsten auszuweichen.
Aber die Welt wird zunehmend und offensichtlich problematischer- man erahnt bzw. verspürt den Wunsch, man wäre selbst besser dran, könnte man doch nur etwas wirksames tun. Instinktiv ist man davon überzeugt, dass das Leben erträglicher sein könnte, wenn man etwas gegen diesen Irrsinn unternehmen könnte. Sicher möchte man sich nicht von der Woge der unzähligen Dinge ins Nirgendwo schwämmen lassen.
Aber man hält es gerade noch aus, um sich den Spaß nicht ganz vermiesen zu lassen. Aber wenn es es um dieses bizarre Thema Identität geht, so spitzen sich die Ohren, wird keine Mühen gescheut, wie verrückt einer bestimmten hinterher zu hecheln. Das Problem dabei ist nur, dass die Vorlagen des öffentlichen Lebens, die nun mal als die Besten Identitäten in Frage kommen, in immer unerreichbarere Gefilde entrücken. Und das Dilemma dabei, das man meint es bliebe einem nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen.
Aber was ist dieses angeblich so wichtige Ding, genannt Identität? Die lineare Verkettung der gesellschaftlich relevanten Ereignisse, von denen wir meinen, sie ergeben als Ganzes das kostbarste Stück- eine Schablone der “göttlichen Identität” am nächsten kommend.
Kindergarten, Abitur, Diplom, Hochzeit, usw. das Unheimliche, man könnte meinen, dass es niemanden wirklich interessiert, ob oder ob nicht man da einem gewaltigen Irrtum anheim gefallen ist?
Dennoch wird wie verrückt weiter gestrampelt, hartnäckig daran fest gehalten. Als wäre man auf der Stelle erledigt, würde man aufhören auf die Notwendigkeit dieser Identität zu bestehen.
Vielleicht ertrinkt man wenn man diese standardisierte Identität über Bord wirft, wer weiß! Oder vielleicht ertrinkt nur eine Identität! Zumindest könnte dann vielleicht wieder etwas Raum für etwas neues zur Verfügung stehen. Meine Güte, wäre man doch in diesen Angelegenheiten etwas entspannter, nicht so ängstlich, man könnte sicher ne Menge Spaß daran finden Identitäten über Bord zu werfen oder weiß der Teufel damit zu machen. Ein wahrlich unberechenbarere Spieler?
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