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Die Zeit ist hinfällig,
eine Geschichte nicht mehr Vorhanden
und die Wahrheit peinlich. Weiterlesen »

Aphadisiakum oder Vollmantelgeschoss

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Marco Paul Schott – ©2009 Berlin

Aphadisiakum oder Vollmantelgeschoss

Wir sitzen zwischen Stühlen an Schultischen in schlecht gelüfteten Räumen- man sagt uns, dass wir- um weiterhin ein unwichtiges Element der gesellschaftlichen Einheit sein zu können- nach einer bestimmten, unerklärlichen Sc hablone unser Leben, unser Verhalten, unsere Art zu sprechen, zu gehen, zu atmen, zu denken, zu lieben, zu schreiben, anzugleichen haben- ansonsten wird unser Leben, Denken, Handeln, unsere Zukunft im allgemeinen, in jeder Hinsicht sehr schwarz aussehen.

Denn im Grunde betrachtet man uns, ohne das es offen ausgesprochen wird, als ein feuchtes Stück Dreck! Obgleich es niemand hört, immer nur das Gegenteil beteuert wird, wird man dieses dumpfe Gefühl nicht los, das Gefühl, dass es eigentlich so ist.

Es sieht nun mal so aus. Keiner wagt es die Worte ausdrücklich und unmissverständlich in den Mund zu nehmen. Die Welt der Missverständlichkeit. Offenheit ist nicht Zierrat der Zeit!
Du taugst Nichts lautet das Motto!

Aber weit weit in der Ferne, wenn die Sternlein vielleicht günstig stehen und der Herrgott gnädig, wird doch noch was aus Hänschen!

Das zumindest sagen die Herren, die es gut mit Hänschen meinen und ihn mit “Fluxet” aus stopfen. Mit den letzten wohlwollenden Worten, schüttelt man seine Hand ganz lahm.

Die Angst vor Bestrafung hält mich davon zurück gleich zu zu schlagen!

Aber nein, es hat sich immer noch nichts gebessert, immer noch kein annehmbares Verhalten, das in den Fachbüchern unter der Rubrik Normal verzeichnet ist. Zuguterletzt findet die Überweisung zu einem Facharzt statt- ein Fragebogen soll Anpassung in meine abtrünnig gewordene Hirnrinde bringen, schließlich rieselt „Fluxet“ in rauen Mengen, wie zerriebenes Fensterglas über „Hypothalamus“ und „Hypophyse“-
niemand möchte meinen verwirrten Blick länger ertragen!

Die letzten Schritte zählen, Zeit zurück spulen, bitte nicht hin schauen wo alles anfing! Nein- es interessieren keine Ursachen. Das tun wir lieber nicht, denn- auch wenn jemand genügend Zeit mit brächte, so gäbe eh keinen Hinweis, nach was überhaupt gesucht werden will.
Der Geist- viel zu lange tabu!

Lieber gleich eine ganze Monatspackung „Fluxet“ verschlingen, oder zumindest in Reichweite haben, im Falle von nervtötenden Fragen!
Neben dem Bett in der Nachttischschublade, im Falle von überrschaenden Albträumen!

Wo Endet das? Das wissen die Zeitungen. Keine Angst, die Gründe sind unwichtig. Weil dem Denken Wenige erliegen.

Das Kind war gerade 16 Jahre alt, man spricht in dem Alter nicht mehr von Kind.
Sowieso kann man nichts tun. Was gebraucht wird, um den modernen Anforderungen zu entsprechen, sind hoch inovative Eliteuniversitäts-Absolventen, vorzugsweise aus „Yale“, „Oxford“, „Harvard“ usw. Und den Rest wird als Kohllateralschäden oder Ausschuss zu den Akten gelegt. Das ist wie mit der Primär und Sekundär Beziehung, man bringt sie einfach entsprechend unter!

Kein besonderes Bildungserlebnis, aber sind genügend Lämmer zusammen getrieben, wird schnell klar, das Gras das einzige ist, für was man aufkommen muss.
Man möchte sich nicht nachsagen, man hätte Lämmer verhungern lassen.
Also- Morgens, Mittags und Abends zwei Kapseln „Fluxet“!

(Pause)

Mit dem Wort „Unglücklich“ war mein Zustand längst nicht mehr zu beschreiben. Unglück setzt Glück voraus. Aber ich hatte zunehmend das Gefühl, als hätte man mich gefesselt in ein tiefes Loch geworfen und nun muss ich von dort unten nach oben schauen, manchmal sehe ich Leute dort oben am Rand, wie Schatten, herum stehen.

Mit jeder Kapsel stürze ich ein Stück tiefer- weg von Allem! Es existieren keine Worte, die mein Lebensgefühl beschreiben können. Worte die sagen wie die Welt aus meiner Position erscheint. Mit jeder Kapsel ein Stück tiefer.

Sprachlos und unfähig Worte zu finden, „aphatisiert“ vor einem Fernseher kauern und diese systematisch konstruierten, synthetik Personen über mich ergehen lassen müssen.
Die entweder ihr unerreichbares, olympisches Leben hinter Panzerglas zelebrieren oder denen ihr olympisches Leben gerade demontiert wird. Aber völlig egal wie es um sie steht. Nichts ändert sich dadurch an meiner Verstummung am Grund des Loches.

Schnell fort, in die Küche rennen, etwas zu essen holen, vielleicht ein Jogurt oder ein Müsliriegel angereichert mit Proteinen. Lebensergänzungsmittel!

Am Dienstag der Termin bei meinem Therapeuten, er stellt immer dieselben Fragen, und schielt dabei auf seine Armbanduhr und ich frage mich dabei, was IHM eigentlich durch den Kopf geht?

Ohne „Fluxet“ geht nichts mehr- wird mir gesagt. Wer sind diese Schatten? Unten am Grund meines Loches muss ich wegen des gleißenden Lichtes dieser Zivilisation atemlos blinzeln- Was, wenn überhaupt keine Worte mehr über meine Lippen kommen?
Trotz des Vorhandenseins von Lippen? Was kompensiert „Fluxet“ und was kompensiert seine tödlichen Nebenwirkungen? Der Magen löst sich auf, die Lebenserwartung sinkt.
Das interessiert nicht, denn sterben müssen wa eh alle mal. Wieso dann nicht früher, dafür aber mit hochgerissenen Mundwinkeln!
Meine Überlegungen gehen weiter, so weit, dass ich mir vorstelle, das mein Glück nicht nur mir vorbehalten sein darf. Liebe ist doch was für Faschisten, denke ich am kalten Bodensatzes meines Loches und wieso nicht ein paar Geschosse in die Welt hinein feuern? „Vollmantelgeschosse“ am Besten!

wieso nicht?!

Mein „Fluxet“ hat dabei geholfen. Ich bin jetzt dazu bereit, das mir entgegengebrachte Glück der Welt zurück zu geben. Leider will es mir nicht vollständig gelingen, das Resultat all der ekelerregenden Dinge, denen ich mich ausgeliefert sah, vor mir und der Welt zu verbergen.

Ich sehe mich als ein „Vollmantelgeschosse“ , das sich jemanden ungefragt in seinen stinkenden Fettwanst bohrt!

Viel zu lange schon verfaule ich in diesem Loch und ersehne langsam den Zeitpunkt meiner Wiedergeburt, ersehne den Tag an dem ich als „Vollmantelgeschoss“ zurück kommen werde. Dann beginnt mein neues Leben.

Ein Leben, das diese immer schönen Männer und Frauen in ihren herzzerreißenden Fernsehsendungen Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, zum Besten geben!
Als “Vollmantelgeschoss” mit ihnen verschmolzen, wäre ihr Leben dann auch das Meinige! Ich, das zu einem Nichts verkommen, wäre dann endlich ein Teil des Ganzen, Teil ihres Lebens- und das für immer!

ichspiele

Berlin 18.01.08

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