ROTE LOGE
Rote Loge - Salon No.06 - 05.06.2010 im Café Royal

Leseprobe Roter Salon Nr.06
©2009 Marco P. Schott
Zombies, Ego Shooter und Clowns in Krankenhäusern
Sicher- nett ist es nicht einfach zu behaupten es gehen lebende Leichen zwischen den Regalen der Einkaufszentren umher, nun das ist auch lediglich mein Eindruck bzw. eine Stimmung von mir. Die zeitgenössische Welt DES Post-Post-Neo-Liberalen Lebens, diese allgemeine Käuflichkeit und das ständigen immer neuer Artikel, die Menschen dieser Kultur darin mit lebenden Leichen, auch Zombies genannt zu vergleichen ist keine neu Idee. Wer kennt nicht Romeros legendäre Filme? Natürlich ist die Frage ob ich dabei lebendiger aussehe berechtigt! Ich hoffe es inständig! Aber völlig egal wie wir aussieht. Jeder bewegt sich mehr oder weniger. Ich bewege mich durch die selben Korridore, durch die selben Treppenhäuser, stehe in den selben Schlangen vor den selben Kassen mit meinen DVD Rohlingen, dem Päckchen 500 Blatt Holzfreies Officepapier für Tintenstrahldrucker, ich überlege, wenn kein Holz dann müssen im Papier alte Lumpen sein. Diese Märkte sind die heiligen Hallen, hier finde ich die Werkzeuge um mit der Welt in Kontakt zu treten, und wie mir so ergeht es auch den Anderen, wer sucht nicht Kontakt? Mit diesem Bedürfnis werden diese Hallen heilig und vor allem reich. Die Korridore zäumen flimmernde Plasma- LCD- blablabla Bildschirme, alle übertragen sie diese maßgeschneiderten, völlig überdrehten Sendungen, vordergründig sind die alle verständlich, hintergründig jedoch komisch, im Sinne von seltsam und „hahahha.“ Ich verlasse das Mikro elektronische Feuchtgebiet, suche den Weg nach Hause.
Am Abend lese ich auf der Startseite der Sparkasse Berlin „Humor trotz HIV Positiv“. Diese Meldung soll mich offensichtlich während meinen virtuellen Bank Geschäften bei Laune halten. Aber genauso könnte man sagen „Humor trotz Mensch.“ Die Information man könne ebenso als HIV infizierter lustig sein macht Mut. Humor im Angesicht des Todes, das ist es was dieses Land benötigt. Aber wieso brauchen wir diese Trennungen, Identifizierungen, diese Aufteilung in Krank und Gesund, die Welt zerfällt in Zwei Hälften, für was? Milch ist schließlich auch nicht entweder heiß oder kalt!
Tage können sich wirklich sehr merkwürdig gestalten, wenn ich sie mir genau anschaue besitzen sie nichts, nichts wirklich offensichtlich merkwürdiges, die Parkbank ist immer noch die Parkbank, vermutlich sind es meine Augen, die an diesen Tagen ein wenig verschrobener als sonst sind, aber natürlich sind es auch nicht die Augen die sich verschroben haben. Was auch immer letztendlich verschroben ist, jeder Tag beginnt für gewöhnlich mit einem Frühstück.
Ein Sonntag, das Fenster angelehnt, es regnet, die Kirchturmglocken läuten, das läuten fordert zum Kirchgang auf, meine Freundin sitzt mir gegenüber, wir frühstücken, unterhalten uns über das Leben wenn es tot ist. „In Anbetracht des Themas, wäre da ein Kirchgang nicht angemessen?“ Ich hielt nach dem Kräuter Salz ausschau und obgleich der Tisch nicht wirklich riesig war, wollte es sich nicht finden lassen. „Was soll das bringen?“ Sagte meine Freundin und reichte mir das Kräuter Salz. „Hoffnung, Mut, Glaube, Gemeinschaft, Liebe, Vertrauen, Zuversicht, Antworten im Allgemeinen und im Speziellen!“ Ich schüttete eine gezielte Dosis Kräuter Salz auf das wachsweich gekochte Ei. „Nicht gerade wenig oder?“ Wirklich Betrübt über dieses unausweichliche Schicksal der Menschheit inklusive das Meinige und das meiner Freundin, egal an welchem Ort, zu jeder beliebigen Zeit, alle werden irgendwann dazu genötigt diesen Löffel, bei wem auch immer, ab zu geben! Und für gewöhnlich ebenso schlau wie man ihn erhalten hat! „Woher stammt eigentlich dieser Ausdruck den Löffel abgeben?“ Fragte ich meine Freundin. „Nun es gab Zeiten da hatten die Leute alle nur einen Löffel, verstarben sie hatten sie ihn quasi ab zu geben, die Bauern, das Volk, das Gesindel.“ „Wenn einer des Adels verstarb dann hieß es demnach ohh er hat seine gepuderte Perücke abgegeben!“- „JoooJoo so könnte es gewesen sein!“ Meine Freundin grinste.
Leicht betrübt schaute ich ihr in die Augen, es sind diese dämlichen Sprüche die mir in so Momenten immer durch den Kopf gehen, die sind Alles andere nur nicht hilfreich und passen tun sie auch nie. Großartige Sprüche, zum Beispiel „du musst los lassen können“ man könnte genauso gut sagen „Du musst Klavier spielen können“ oder „Persiel wäscht Poren tief rein„ oder „Du musst Überschallflugzeuge fliegen können“ „Hornbach es gibt immer was zu tun…“ ich mein es gibt vieles was man tun können müsste um in der Lage zu sein, wie Buddha mit Allem und Jedem fertig zu werden. Werbesprüche vermischt mit der aufblähenden Idee eines Energieerhaltungssatzes. Wie auch immer- Putz munter und Kern gesund löffelte ich einige Löffel braunen Zucker in den Kaffee, dann seufzest ich, um dieser unbehaglichen Empfindung, dieser irgendwie dräuenden menschlichen Situation zumindest ein klein wenig etwas entgegen zu setzen. Das schwere, tiefe seufzten eines Menschen sagt mehr als jeder dieser so gut gemeinten Sätze, dieser Mix aus Werbung und Zen Buddhismus.
„Naja ich mein wir sollten das Leben und was damit in Verbindung steht mit Anstand und Humor ertragen“ Anstand meintwegen aber dieser Sinn für Humor wird meines Erachtens überbewertet, wieso Andere zum Lachen bringen? Diese Sucht nach Unterhaltung nach dieser Comedy Kultur ist hysterisch, an jeder Ecke tauchen neue Clowns auf, das ist nicht lustig das ist gruselig Judith!“ Kurzes Schweigen, dann steckte ich das Messer in das selbstgemachte Quittengele und schmierte eine Ladung davon auf den Toast. „Nun es soll gesund machen!“ Sagte Judith prosaisch. „Zum Beispiel-“ Judith holte Luft als gäbe es Bald keine mehr „es gibt diesen Arzt- Rehfuß oder so ähnlich, der schreibt ganz intelligente Texte, die amüsieren, bringen Leute zum Nachdenken nicht nur zum Lachen, seine Texte besitzen auch etwas therapeutisches, außerdem ist er der Schirmherr der Initiative Clowns in Krankenhäusern also und die Leute mögen ihn, zumindest viele. Ich finde ihn auch ganz gut!”
„Ohhh wie traurig!“ Sagte ich niedergeschlagen. Judith verstand nicht was daran so traurig sein soll, sicherheitshalber hakte sie nach. „Was ist daran traurig, das ist doch eher lieb als traurig!“ Ich schüttelte den Kopf. „Na die armen Clowns, ganze Krankenzimmer, ganze Hospitale voll mit kranken, leidenden, sich windenden Clowns, mit Fieberthermometern im Mund, den roten Nasen, den fiebrig nassen weiß gepuderten Glatzen, den bunten „Haarkränzen,“ den übergroßen schwarz glänzenden „Goofie“ Latschen die unter den Bettdecken raus stehen, die ganz kranken womöglich noch am Tropf oder künstlich beatmet, die armen Clowns, wenn einer stirbt legt man ihn in einen bunten Clowns Sarg!“ – “Du Dummkopf” Es geht um Clowns die in Krankenhäusern zum Beispiel Krebs kranke Kinder aufheitern oder andere Krankheiten haben!“ Ich zermalme einen Happen Toast im Mund und sage- „Zuerst sagt man ihnen, das sie bald sterben, dann schickt man ihnen einen Clown, der alles wieder gut machen soll. Ist das nicht grauenhaft unwirklich?“ Judith warf mir einen Blick zu, den ich nicht genau beschreiben kann. Dann goss sie uns frischen Kaffee ein, irgendwann sagte Judith, hm wir können ja ne runde ficken! Ja gute Idee. Dann fickten wir. Ich sie, dann sie mich, ich wieder sie, so ging das eine Zeitlang hin und her bis es vorbei war, danach erschien zumindest mir das ganze Thema mit dem Löffel abgeben, diesen verstörenden Clowns usw. nicht mehr ganz so bedrohlich, dennoch, vollständig genesen war ich noch nicht. Um die Wahrheit zu sagen, für mich haben Clowns von Natur aus etwas bösartiges an sich, keinem Einzigen dieser Spezies würde ich, wenn es darauf ankäme, in irgend einer Form vertrauen entgegen bringen und wäre ich krank und so ein Biest stände unerwartet an meinem Bett und ich wäre zu schwach um einen Baseballschläger nach ihm zu werfen, würde ich das als Mordanschlag interpretieren und sofort die Polizei rufen. Dahingegen sind Clowns in Handschellen für mich ein beruhigender, wohlwollender Anblick.
Wie an jedem Tag so ging auch an diesem Tag irgendwann zu einer bestimmten Zeit die Sonne unter und unsere Seite der Erdkugel sollte für einige Stunden mit einer für uns nicht wahrnehmbaren aber dennoch immensen Geschwindigkeit in der Weltraum schwarzen Nacht verschwinden.
Meine Freundin lag ausgestreckt auf dem Sofa, sie blätterte interessiert in dem Katalog des polnischen Malers „Zdzislaw Bekinski“. Ich saß mit Kopfhörer vor dem Rechner und spielte einen gängigen „Ego–Shooter“ das mich das zu einem potenziellen Amokläufer abstempelt ist mir klar, aber dank meiner Fingerfertigkeit ist es mir gelungen mich bis zum passablen Rang eines „Captain“ zweiten Grades durch zu schießen, vielmehr zu „Snipern“ im Nahkampf bin ich eine Flasche, mit unkoordinierten Bewegungen werde ich in 9 von 10 Fällen von dem gegnerischen Spieler mit einem Messer aufgeschlitzt, natürlich nicht wirklich sondern nur im Spiel. Die Art des Spieles das ich immer spiele nennt sich „Team Deathmatch“ für gewöhnlich lande ich aufgrund des Zufallgenerators im Team der „Speznas“ oder dem der „OpForce“ offensichtlich sind das die weniger beliebten „Teams“ es gibt die Möglichkeit sich ein Team auszusuchen, aber wie schon gesagt benutze ich immer den Zufallsgenerator. In der letzten Runde hatte ich stattliche 164 Punkte erreicht, 10 Abschüsse, 2 Assits – das bedeutet; ich habe einen gegnerischen Spieler mit meinem Scharfschützengewehr der Marke „Dragonow“ Kalieber 7,62 x 54 mm eher erledigt, bevor er einer meiner Teamkameraden erledigen konnte und 16 mal wurde ich erledigt, das ist sehr schlecht denn mittlerweile bin ich schon so gut im erschießen, das ich durchschnittlich mehr Gegner nieder mache als ich von einem Gegnern, meistens ein „Marien“, nieder gemscht werde. Die Namen der Spieler sind bezeichnend, zum beispiel wurde ich in einem der letzen Spiele inflationär von einem Spieler Namens „AIDS“ getötet, das war schon etwas bizarr immerzu auf dem Bildschirm lesen zu müssen- „Getötet von AIDS!“ Auf der anderen Seite gibts auch so tolle Namen, man sagt auch Nick dazu wie „J´existe moi“, „Interemtrix“, „Stonefox“, „UPS Kreeper“ oder „Dispatcher“ etc. Es gibt auch so Post–Strukturalistische Nicks wie einfache Satzzeichen, heute zum Beispiel habe ich einen Spieler mit der Bezeichnung „unterer Bindestrich“ ausgeschaltet. Natürlich sind „Ego–Shooter“ kein wirklicher Ersatz für ein abenteuerliches Leben, aber zumindest kann man sich die merkwürdigen Stunden seines Lebens gemeinsam mit anderen unsichtbaren Lebewesen um die Ohren schlagen. Für gewöhnlich verabschiedet man sich im „Livechat“ kurz und prägnant „Cu all“ so in der Art. Die Mitstreiter tauschen nach jeder Runde kurz die Vor und Nachteile diverser Hand Feuerwaffen, bzw. Sturmgewehre aus, dabei fällt auf, das Heckler und Koch Waffen sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Das finde ich aufregend, denn im Gymnasium war Jo Heckler das nette Mädchen mit den kurzen Haaren aus der Parallelklasse, diejenige deren Poesie Album ich auf Teufel komm raus, nicht mit irgendwelchen liebvollen Worten bereicher wollte, schließlich war meine Mutter so nett und hat das für mich erledig, Gott sei Dank hab ich eine Mutter! Ich bin mir sicher Jo Heckler verkauft heute keine Waffen an irgendwelche „Speznas“ , „Mariens“ Oder dergleichen na ja egal!
Übrigens handelt es sich bei diesen „Speznas“ um eine Spezialeinheit des russischen militärischen Nachrichtendienstes der GRU- was auf Deutsch Hauptverwaltung für Aufklärung bedeutet ihre Einsatzschwerpunkte sind Aufklärung, Asymmetrische Kriegführung und Terrorismusbekämpfung. Ein „Dragonow“ ist ein halb automatisches, russisches Scharfschützengewehr, Kalieber 7,62 x 54 mm dieses Kaliber ist mit mehr als 110 Jahren ununterbrochenen Einsatzes die am längsten sich im Dienst befindliche Militärpatrone. Die hat ne Menge Leichen im Keller.
Schließlich hatte ich genug von diesen heruntergekommenen Tschernobyl Landschaften, durch welche ich mich hindurch geschossen hatte und spielte mit dem Gedanken diesen Sonntag mit einem angemessenen Film ausklingen zu lassen. Judith lag nicht mehr ganz wach und bereits mit Schlafanzug im Bett und warf mir einen unverkennbar müden Blick zu. Mit fragender Stimme versuchte ich ihr die Idee schmackhaft zu machen „wir könnten diesen Sonntag, angemessener Weise mit einem «Romero» Film ausklingen lassen, also hör zu wie wäre es mit: „Dawn of the Dead“; „Day of the Dead“; „Land of the Dead“ oder vielleicht „Diary of the Dead?“ Wobei- ich sags Dir „Land of The Dead“ ist irgendwie der Beste von Allen. Wie oder was auch immer- ist ja alles Geschmacksache- übrigens auch son Spruch- Seuftzz!“ Meine Freundin lies ihren Kopf ins Kissen fallen und begann zu murmeln- „Was?“ Fragte ich- Ihr Kopf hob sich- „Neee Lass uns einfach ne Folge von dieser komischen Serie schauen mit diesem schicken Agent diesem auf Betten tanzenden Gnom, und diesem Riesen wo sie die ganze Zeit Kirschkuchen und Muffins essen…! Du weiß schon ahhhh“ „Ahaha“ Sagte ich „genau, dabei schlafen wir beide immer so fantastisch ein!“ „jaaa fast so gut wie nach Sex!“ Sagte ich fröhlich!
Rote Loge - Salon No.04 - 18.12.2009 bei Nada Njiente

Leseprobe Roter Salon Nr.04
©2009 Marco P. Schott
Count till sex– one, two, three, foure, five, sex!!!
((hahaha))
Quak Quak Quak
Während einer der vergangenen Nächte hatte mich etwas sehr merkwürdiges, nicht wirklich greifbares, panisch aus meinem Schlaf aufschrecken lassen. Mit pochendem Herzen starrte ich durch die unschuldige Nacht und ganz verzweifelt suchte ich nach etwas vertrautem, nach ein klein wenig Beruhigung, etwas das mir Halt, möglicherweise auch Trost schenken konnte. Glücklicherweise entdeckte ich meine geliebte, im Mondlicht stehende Kaktee auf der Fensterbank stehen, ganz ruhig und wie immer starr vor Wachstum. Für einen Moment schöpfte ich Sicherheit. Was war nur geschehen? Es war kein Traum, zumindest konnte ich mich an Keinen erinnern- war es vielleicht irgend ein schlimmer Gedanke? Möglicherweise hatte ich mich ahnungslos während des Schlafes mit beunruhigenden Dingen beschäftigt? Ich überlegte, versuchte mich zu erinnern, schließlich dämmerte es langsam, schemenhaft rückte eine Sache näher, in Sichtweite, etwas ohne Gestalt, eine formlose Erinnerung. Wie das Unbehagen, das sich einfindet, bevor einem etwas vergessenes in den Sinn kommt. Quasi der Vorbote. Ehe man sich es versieht wird man mit der Vehemenz einer schallenden Ohrfeige auf das geschleudert, das man zwar schon die ganze Zeit wusste, aber beim besten Willen nicht bereit war, es zu diesem Zeitpunkt wissen zu wollen.
Wieso sitze ich in diesem Kerker? Wieso diese Wänden, vom Irrsinn vermeintlich wissenschaftlichen Autoritäten gemauert? Das Material- die Synthese der unakzeptablen Meinungen, Ansichten, die wie dickflüssige Tatsachen aus allen Ritzen tropfen?
Durch diesen Umstand verstört. Mit meiner Existenz aufs unangenehmste konfrontiert, musste ich mich auf meine Bett Kannte setzen und nach Luft schnappen. Schließlich stand ich auf und stellte mich an das Fenster, lies meinen Blick durch die Nacht schweifen, entdeckte am Horizont die roten Signal Lichter der Fernmeldemasten, blinkende langsam dahin schwebende Flugzeuge. Wie es scheint, liegt das Wesen des Schreckens in einer banalen aber stürmischen, zügellosen unbestechlichen Tatsache begraben, verschlüsselt in einem Prinzip, das es nicht sein lassen kann, seine penetrierenden Fühler in jeden Winkel meines Lebens hinein zu stecken.
Aus welchen Blickwinkel man das betrachtet spielt keine Rolle. Von diesem Schatten kommt man nicht so ohne weiteres los. Ein Prinzip, so simpel wie es schlagkräftig ist. Ich suchte nach der Schnur an der ich ziehen konnte, um das ratternde Räderwerk in seiner Gesamtheit aus dem schützenden Sumpf heraus zu zerren. Dabei kam mir ein recht anschauliches Beispiel in den Sinn- aber ob die Nacht ein offenes Ohr für meine Beispiele hat wage ich zu bezweifeln, aber es gibt Momenten in denen nimmt man was man bekommen kann.
Sitzen sieben oder acht Leute in einem Wartezimmer, plötzlich steht einer auf zeigt auf einen Stuhl und sagt- „Und wer füttert diesen Stuhl?“ Sorgen machen müsste man sich erst dann, wenn ihm die restlichen Leute im Wartezimmer beifall klatschen, man der Einzige wäre, dem nicht klar ist wieso ein Stuhl gefüttert werden soll.
Was die Mehrheit denkt wird schließlich Maßgebend, egal wie man das findet, das ist ein Gesetz, so wie man Schuhkrem an den Fingern nach dem Schuhe putzen hat. Wie man dazu steht ist egal, aber irgendwie wiedrum auch nicht. Maßgebend kann alles werden, es kann lustig oder weniger lustig sein, je nach Geschmack, je nach Sinn für Humor- es kann faschistisch, sozialistisch anarchistisch, kapitalistisch, nihilistisch, anachronistisch, narzisstisch, behavioristisch, futuristisch, dadaistisch, satanistisch, buddhistisch, materialistisch, spiritistisch oder einfach nur nett sein.
Aber war es wirklich das Gesetz der Assimilierung durch eine maßgebende Mehrheit, das mich so aus der Fassung gebracht hatte? Oder womöglich das, was sich daraus ableiten lässt? Ich dachte an den Abend mit Klarissa, an unser anregendes Gespräch. Wir thematisierten moderne Dogmen. Zusammenfassend lässt sich sagen, das ich, über meine Lage im allgemeinen lediglich etwas verwirrt war, im Begriff war, in zu vielen Unklarheiten zu ertrinken- doch als die Dämmerung heran brach und mit ihr diese zwei Dinge, war es wie das rettende Treibholz, das mir in die Arme trieb, das mich vor dem ertrinken bewahrte, woran ich mich klammern konnte. War das tatsächlich mein Leben?
Ich schaute auf die beleuchtete Umgebung der Straßenlaterne unten auf der Straße. Um diese Uhrzeit ist diese Bushaltestelle ein verlassener Ort. Der Werbelichtkasten mit dem jugendlichen, schwarzhaarigen Frauenkopf, der den Kauf des abgelideten Parfümes erleichtern sollte, starrte eingefroren auf die Straße. Der Mülleimer, auf dem tagsüber ab und zu eine Nebelkrähe oder eine Elster sitzt, daneben.
Was wenn ich bereits einer der sieben Leute geworden bin? Sechs von der Sorte wäre doch schon genug gewesen. Allein die Vorstellung sich kniend vor einen Stuhl mit einer Schüssel Haferschleim wieder zu finden und allen Ernstes versuchen einen Stuhl damit zu füttern. Wenn ich mir das auf diese Weise zusammendenke, wird mir wahrhaftig schwindelig. Das ist keine Meinung, das ist bereits zu einer Tatsache angeschwollen. Was ist Hoffnung? In dem Fall einfach einer dieser acht nein sieben Personen der einfach nicht die Ansicht der Anderen teilt, man müsse einen Stuhl füttern, wäre das dann Hoffnung? Wäre das die schützende Hand der Jungfrau Maria?
Es gibt keine bessere Erklärung, ich sitze tatsächlich in einem Kerker, taste die Wände ab, untersuche ihre Konsistenz. Seine Substanz ist subtiler als die eines Gefängnis aus Beton und Wachtürmchen mit Stacheldraht bestückte Mauern. Verstörend weil es keine Tore benötigt. Auf den Nenner gebracht erwachte ich während ich auf den Knien mit einem Löffel in der Hand gerade dabei war einen Stuhl zu füttern, ein beschämender Augenblick. Knieend im Glauben ich betete zu Gott, zu Darvin dessen Hintern voll mit Hostessen voll gestopft in den Himmel ragte. Aber noch viel aberwitziger als dieses bizarre Erwachen vor diesem Stuhl, mit dieser Schüssel Brei in der Hand, waren diese Worte, die ich dabei in meinem Mund hin und her lutschte und die so Gewichtig meinen Kopf zum Erdmittelpunkt hinab zogen. Die erhellende Bedeutung führte zur Entdeckung des Zementes der dieses Gemäuer zusammenhält. Der Gebriff lautet Dogma, ich zuckte zusammen, auf allen Vieren kroch ich zu meiner Leselampe knipste sie an, und suchte nach meinem Wörterbuch, ich wollte jetzt sofort unbedingt die Definition lesen. Denn es war der Abend mit Klarissa gewesen, der, so meine ich diese Sache erst ins Rollen gebracht hatte, und ich war mir schließlich eine Antwort schuldig. Klarissa und ich saßen an ihrem Küchentisch, tranken eine Flasche guten Roten und hatten uns dabei ausgezeichnet unterhalten.
Ich: „Allgemein gesagt geschah folgendes, es wurde einfach die entsprechende Meinungen zur Tatsachen heran gezüchtet. Ich vermute ja stark, dass es still und leise von statten ging, und ehe man sich versah, war man der Spieler einer neuen Unbekannten, für die man hin und her hampeln durfte.“ Sagte ich zu Klarissa.
Ich drückte mein Ohren an die Wand und lausche, natürlich verlangen diese Wände den Glauben an das Wohl der Gefangenschaft um erst so richtig subtil zu werden. Über die klare Sicht dieser Dinge beunruhigt musste ich mich auf einen kleinen, blauen Hocker meiner Küche setzen und ein Glas Milch trinken. Ja das Gespräch mit Klarissa, vorgestern Abend, eigentlich hätte ich viel lieber einige Flaschen Bier dem Wein vorgezogen, wie auch immer. Anlass des lebhaften Wortwechsels war das Zitat des Schriftstellers Leonard Bat Grey der kürzlich in einem Interview sagte, ich meine es stand in einer Tageszeitung– „Wieso sich sorgen über die Meinungsfreiheit machen, die Meinungen unterscheiden sich in wirklich wesentlichen Punkten eh nicht mehr groß!“ Klarissa und ich waren uns natürlich einig das „wesentlich“ sehr viel bedeuten konnte.
In meinen Ansichten sah Klarissa eine unschöne Überheblichkeit, ich dagegen sah darin nur eine Bestätigung meiner Beobachtung, das wir gegenwärtig modernen Dogmen unterliegen, die bis jetzt noch niemand öffentlich decodiert und in eine klare Sprache gebracht hat. Klarissa konnte dabei ihr Lachen kaum unterdrücken- sie wusste nicht genau was ich überhaupt mit Dogma in diesem Fall meinte.
Klarissa: „Joel- was meinst Du damit, man gehe kein wirkliches Risiko ein, wenn man sich heute Meinungsfreiheit auf die Fahne schreibt?“
Ich: „Hey Klarissa ich hab nur mit meinen Worten gesagt, was Leonard Bat Grey so eindringlich formulierte!“
Klarissa: „Noch Wein?“
Ich: „sag mal ein Bier hast Du nicht zufällig irgendwo rum stehen?“
Klarissa: „Ne also kein Wein mehr?“
Ich: „Doch gieß ein, was solls!- Nee ich mein nur das ich denke, das es heute ebenfalls Dogmen gibt, Dogmen die mit kleinen harmlosen Meinungen begannen und mittlerweile zu felsenfesten Tatsachen herangewachsen sind. Klarissa, es wäre nicht das erste mal, das Wissenschaft zum Instrument einer Ideologie wird!“
Klarissa: „Ja sicher aber das klingt nach einer ungeheuerlichen, universellen Verschwörungstheorie!“
Ich: „na dann tut es das halt, Klarissa wie definierst Du Dogma?“
Klarissa: „Ach Joel Du alter Wortklauber.“
Ich: „Leider bin altmodisch genug um der Ansicht zu sein, das jedes Wort eine bestimmte Bedeutungen hat! Aber sag mal was ist für Dich ein Dogma!“
Klarissa: „Etwas woran man sich stur hält egal ob es richtig oder falsch ist! Und welches Dogma steht deiner Meinung nach heutzutage so felsenfest im Kopf einiger Leute?“
Ich: „In erster Linie ist Dogma ein Glaubenssatz eine Meinung desto heftiger man sie versucht durch zu setzen umso fragwürdiger erscheint sie mir!“
Klarissa: „Soso- du bist aber ganz schön ernst für Dein Alter!“
Ich: „bis zum äußersten Gehen dann wird Lachen entstehen! Ein Zitat- hiho an meinem Humor liegt mir was! Jemand anderes meinte mal- Früher, als es noch verboten war, konnten die Leute denken, heute ist es zwar nicht verboten aber dafür können die Leute nicht mehr denken!“
Klarissa: „Das sind eine Menge Geminplätze Joel- komm trink noch ein Glas und nun sag mir von welchem Dogma du die ganze Zeit sprichst!“
Ja so verging der nette Abend mit Klarissa, an jenem Abend lag eine umwerfend schillernde Aufrichtigkeit in ihren Augen, mir war als könnte allein diese Aufrichtigkeit diese Schatten dazu veranlassen sich verängstigt davon zu stehlen. Aber stattdessen lagen sie als eine beklommene Wahrheit vor meinen Füßen. Mir war als würde es Wollmäuse regnen. Es ist nicht die Anzahl der Dogmen vielmehr, ihre Positionierung in sensible Gebiete- Geschickt positioniert und das Schauspiel kann beginnen. Wieder stand ich am Fenster und immer noch war die Nacht dieselbe. Ich formulierte für mich zwei Dogmen die Grundpfeiler meines Knastes. Ich versuchte sie zu einem Satz zusammenzufassen. Ein Satz besteht bekanntlich aus einem Subjekt, einem Prädikat und einem Objekt. Mein Satz lautet: „Wir fickenden Ichhirnrinden“
Offensichtlich besitzt Sex eine ungeheure Durchschlagskraft. Es mischt die Karten und mischt die Karten und mischt die Karten. Sex findet statt, es belegt weite öffentliche und private Räume, es ist Instrument, Waffe, Methode und ein Weg zur Freiheit- aber wie bitte schön fickt man sich frei? Wovon frei? Ich hämmere gegen die Wände meiner dunkeln Klause, ich will diese Wände um mich herum begreifen, will wissen was dahinter steckt. Ich habe es satt stur wie ein Esel Knietief im Dreck zu stehen. Was begünstigt das Mysterium? Die Meinung kann zersplittern wie ein Spiegel, aber in dem Fall zersplittert der Spiegel zu Gunsten einer eingelegten Essiggurke. Wir haben links das große mystische Orakel Sex und rechts die Essiggurke. Man muss dem ganzen zu gute halten, das es einer gewissen Originalität bedarf um diesen Gedanken tatsächlich bis zum bitteren ende zu denken. Denkt man den Gedanken bis zu seinem Ursprung, quasi Rückgängig, katapultiert einen das einfach aus dem öffentlichen Leben. Das wäre diese Sache mit dem Stuhl füttern.
Wie konnte eine gemeine Essiggurke den weiten Weg zum Dogma schaffen? Und was Geschieht, wenn Zwei bestimmte Dogmen zu einem Punkt zusammenfallen? Zweifellos ergibt das eine kuriose Singularität. Die weltweit vernetzte Medienlandschaft hat natürlich im großen Stil alles nur erdenkliche mit Sex zu gepflastert. Es gibt nichts mehr was sich nicht jeden Tag aufs neue fickt. Und es werden bekanntlich sehr viele Seiten mit einfallsreichen Geschichten beschrieben, die sich geschickt um alle nur erdenkliche sexuelle Themen herum drapieren. Der Medien und Kultur Landschaft erschafft eine unglaubliche Nachfrage nach Reizen um sie im nächsten Moment unbefriedigt und beleidigt aus zu lachen. Sich entziehen war, die Agenten lauern quasi an jeder Ecke, nicht möglich. Welches Dogma verbirgt sich hinter der eingelegten Essiggurke?
Mein Einfallsreichtum beschert uns ein Beispiel. Die Frage nach dem Ich wird die Antwort „Das Gehirn“ stur und unnachgiebig nach sich ziehen. Und weil jedes Ich gewöhnlich einen Namen hat, nennen wir dieses einfach Astrit, das wie eine Essiggurke in der Suppe unter einer Schädeldecke herum planscht und den Körper veranlasst mit einigen Klicks einer raffinierten Mighty Mouse durch einen Online Katalog einer Desous Seite geschickt hindurch zu navigieren auf der suche nach der besonderen reizvollen Damenuterwäsche für den auserwählten Moment. Das Hirn Astrit spielt nämlich mit dem Gedanken ein Gehirn das auf den Namen Marcel hört, diesen auserwählten Moment mit allem drum und dran angedeihen zu lassen. Das Gehirn Astrit ist fündig geworden, es kommt zu dem Schluss, das es genau dieses bezaubernde Stück sein muss, die Entscheidungen bezieht sich auf eine schwarze Spitzen, Seiden, String, Strumpfhosen, Strapsen, Körbchen Büstenhalter Garnitur und bezahlt wird Online mit Kreditkarte. Das ist wirklich kein ungewöhnlicher Umstand. Was aber bewegt ein Hirn zu so einem Kauf? Wieso denken sich Gehirne Kreditkarte aus? Um leichter an Reizwäsche ran zu kommen? Wieso entwickelt Gehirne komplizierte Verfahren wie das Anziehen von komplexer Unterwäsche, denn das verlangt tatsächlich ein Gewissens handwerkliches Geschick. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, wie ich neben einer fluchenden Frau, wieder mal kniend versuchte vergeblich deren Strumpfhose mit der vorgefertigten Lasche der Strapse zu befestigen und mit aller kraft zog und zerrte mir dabei sehr üppige und käsige Oberschenkel schmackhaft entgegen gehalten wurden. Nun jede strebsame Essiggurke hat in der Schule aufgepasst und gelernt, das ein Gehirn ein anderes Gehirn dazu überredet die Körper mit einander zu verknüpfen damit sich dadurch über einen indirekten Kanal, einer komplizierten Zellteilung usw. ein weiteres Gehirn zusammenbastelt. Also die Prämisse die diesem folgerichtigen Gang der Dinge sinnvollerweise vorraus geht sind Kreditkarte und Dessous. Die notwendigen Schritte die direkt den zielstrebigen Bauplan der optimalen Reproduktion eines weiteren Gehirns verfolgt. Und das dann vielleicht August genannt wird. Wie sonst sollte man sich, nach allem was man gelernt, das anders erklären?
Zwei Ich Hirne wälzen Weltumspannende Probleme.
Hirne A: Schön dann fliegt die Welt halt Komplet in die Luft, was spricht dagegen?
Hirne B: Kaffee trinken!
Hirne A: Halte ich für eine Übertreibung!
Hirne B: komplett übertrieben? Oder nur so ein bischen übertrieben?
Hirne A: Die atomare Vernichtung ist das Manifest der Übertreibung!
Hirne B: Also mich stört das überhaupt nicht, möchtest Du Zucker in den Kaffee?
Hirne A: Dann sind wir beide also so was wie sprechende Hirnrinden?
Hirne B: Klingt komplett verrückt wird aber ernsthaft behauptet!
Hirne A: Ja die Wissenschaft ist sich da mehr oder weniger einig!
Hirne B: Und ist das Ich nun ganze Hirn oder nur ein Teil davon?
Hirne A: Hin und wieder alles, dann aber auch nur ein Stück davon, mal blitzen Lichter hier auf, mal blitzen sie wo anders auf. Ich sag Dir, das ist unsäglicher Schwachsinn.
Hirn B: Ähäm ja vollendete Hirnlegende. Ich scheiß mir mein Gehirn ein.
Hirn A: Und nicht vergessen die böse und die gute Hirnhälfte,
Hirn B: Ich bin für das kleine Männchen das irgendwo in einem kleinen Zimmer sitzt und schreibarbeiten erledigt!
Hirn B: Übrigens gibt es Hirne mit großen und mit kleinen Titten, es gibt Hirne die etwas schlauer als Andere sind und einige sind komplett daneben. Es gibt Hirne mit langen und kurzen Haaren. Oh wie idiotisch und nicht zu vergessen, es gibt Gehirne die in einer Partei sind oder einer Religion angehören. Wie sich das anhört, seltsam findest Du nicht?
Hirn A: Nun es gab auch mal eine flache Erde und so Sachen.
Hirn B: Ja und den Äther.
Wenn Hirn August in einem Kernspintomografen liegt dann funkelst an einer bestimmten Stelle wenn Melanie an seinem Schwanz lutscht, das ist Verhaltensforschung auf dem höchsten Niveau. Das Hirn schnurrt mal hier mal schnurrt es dort, je nachdem wo man es kratzt.
Jedenfalls sucht man meines Wissens nach, immer mal wieder nach dem genauen Ort im Hirn, an dem sich das Ich befinden soll, etwas wie ein kleines Kämmerchen, in dem es haust, schläft, isst sich die Zähne putz, die Haare kämmt, Besuch empfängt, schweinische Dinge veranstaltet zu Gott betet, über Weihnachtsgeschenke nach denkt. Das kleine Männchen ist viel beschäftigt. Ich in dem Fall, also nicht wie ich hier sitze, nein das ist nur die Verkleidung wenn man so will. Leider ist diese Verkleidung derweil etwas ungeschickt.
Die Erotik der Verkleidungen, eine nicht nur verkopfte- sondern auch verhirnte Sicht auf die lustigen Dinge.
Nun sehe ich die Wände um mich herum mit ganz anderen Augen. Wie wunderlich die Nacht mit ihren Spielgefährten auf den kalten, feuchten Pflastersteinen schimmert. Ich komme zu einem Schluss. Anscheinend befinde ich mich in einem witzigen Jahrzehnt mit tollen Liebenspuppen. Für jedes Gift gibt ein Gegengift, ich höre auf nach Zeichen an den Wänden zu suchen, die Tapeten ab zu reissen. Ich öffne das Fenster und lasse die kalte Luft in meinen Raum, ein Raum irgend so ein Raum, jungfräulich aber unbesessen.
Rote Loge - Salon No.03 - 13.11.2009 im Su De CouCou

Der Text
Bi Polar Karma – 5
5 ist Zwei Nach oben und drei nach unten- so oder so. Schwarz - Weiß, dazwischen verschmiert der Kontrast.An all die zu tiefst Verleuchteten, die den Illuminaten auf den Fersen, in den käsigen Fußstapfen eines Weishauptes durch den selben Quark marschieren wie die zu tiefst unerleuchteten und natürlich ein noch heiligeres Lob an all die Geheimnistüten der internationalen Urgroßmutterlogen, an all die mit Geodreieck, Zirkel und Totenkopf bewaffneten Logenschwestern, deren größtes Geheimnis das Geheimnis selbst ist, mit ihren spindelig weißen Handschuhen und dem Verstand eines Briefbeschwerers und ein weiteres Lob an jene herum schleichenden, gänzlich bis zur Schwärze verritualisierten Gralshüter dieser, unserer Welt. Ein ganz dickes Lob natürlich an all die Blutlinienspuckenden, tantrisch verknoteten, Pornodarsteller der oberheiligsten Heiligkeiten, denen das Joch magisch ans Wurzel Schakra geschlagen wurde und denen ihr Scheitelschakra auf die denkbar unangenehmste Weise um die Ohren fliegt. Ein noch viel größeres Lob, an die voll gedröhnte, psychiatrische Inquisition unserer planetarischen Anstalt. Das aller größte Lob an die opportunistischen Verbeter, die verbeichtenden Dreifaltigkeiten, die Weihrauch süchtigen Hirtenhunde, deren unangenehmer Atem mehr an Höllenhunde, an die Torhüter dieser planetarischen, psychiatrischen Anstalt erinnert. Und natürlich das dickste Lob, an die hochintelligenten Verschwörungstheoretiker, die sich unermüdlich für so viel Klarheit und Aufklärung einsetzen, die das Unmögliche möglich machen, und auf jedem weißen Bogen Papier geheimen Baumpläne, von Wasserstoffbomben, Ufos und elektrischen Zahnbürsten entdecken.
Als Kind sagte man mir, das meine Fantasie gelegentlich mit mir durchgehe und als Erwachsener sagte man mir, ich solle besser der Realität ins Auge schauen. Und aufhören zu träumen. Heute verstehe ich, was mir diese Leute damit sagen wollten. Ich weiß nun, wem ich ins Auge zu sehen habe. Schließlich müssen Alle, dieser Welt so ins Auge sehen, wie sie nunmal ist und natürlich läuft das auf nichts anderes, als auf Unterwerfung hinaus. Das Blöde daran ist, dass ich viel zu viel Spaß an diesen Träumerein gefunden habe und es mir deshalb sehr sehr schwer fallen würde, es sein zu lassen, denn ich höre ungern mit etwas auf, das mir derartiges Vergnügen bereitet.
Ich möchte das an einem Beispiel zeigen. Aber bevor ich auf das Beispiel zu sprechen komme, möchte ich noch meine kürzlich aufgestellte Liste vortragen. Da– wie es es aussieht, Beliebtheitswetbewerbe sehr in Mode gekommen sind, konnte ich mich einfach nicht zurückhalten eine Liste von Handlungen zu erstellen, die einen garantiert, in der jeweiligen Umgebung in der man sich gerade befindet, auf der Beliebtheitsskala in den Keller schießen lässt. 1. Pisse immer im Stehen, egal wie viele Frauen sich in deiner Nähe aufhalten und hänge das dann an die große Glocke, das gilt nicht nur für Männer. 2. Lungere an Spielplätzen herum und stiere auf die spielenden Kinder, werfe den Müttern zwiespältige Blicke zu. 3. Klopfe niemals an eine Tür, wenn Du einen fremden Raum betrittst. 4. Stehe in U- bzw. S-Bahnen niemals für ältere Menschen auf, sage stattdessen, sie sollen mehr Sport machen, dann könnten sie sich auch an den Stangen fest halten. 5. Begrüße deine Bekannten immer mit einem anderen Namen, entschuldige Dich für nichts was anderen peinlich ist. 6. Stelle Dich an keiner Schlange hinten an, sondern drängle dich an die Spitze, gibt es Protest seitens der Mitbürger, dann sage einfach, dass deine Großeltern in Ausschwitz von den Nazis ermordet wurden und du keiner deutschen Ordnung mehr vertraust, egal wie harmlos und sinnvoll sie erscheinen mag. Zurück zum Beispiel.
Hin und wieder, hin und wieder geschieht es, das ich mir den Scherz erlaube, harmlose, liebliche Orte aus reinem Zeitvertreib zu verunstalte, sie zu entfremden. Ich treibe das Spiel an einem sicheren Ort, in meiner Vorstellung. Ich träume mir quasi meinen eigenen Spaß zurecht. Da steckt kein höher Sinn dahinter, ich tue das zu meinem persönlichen Vergnügen.
Für dieses Spiel am meisten lieb gewonnen, habe ich eine ganz bestimmte Bankfiliale, die meine Fantasie gehörige ankurbelte. Ich entschied mich genau diese Bankfiliale und keine Andere für mein Beispiel zu verwenden.
Des öfteren geschah es, betrat ich diese Bankfiliale, dass ein überwältigen Gefühl, einer Erkenntnis wie verrückt Besitz von mir ergriff, insbesondere wenn ich vor einem dieser bedienerfreundlichen Automaten stand Geheimnummern eintippte und dem Raunen der Umgebung lauschte. In diesen Momenten geschah es, was ich in keiner andere Bankfiliale jemals in dieser Deutlichkeit erlebte, es gab kein Zweifel es muss der Ort, der letztendlichen Wahrheit sein, an diesem Ort wurde man quasi mit seinem Gesicht direkt in das Geheimnis des kosmischen Bauplanes gedrückt. Hier verliert die Zeit, der Raum und all die Dinge, jeden Bezug zum Bekannten und vereinigte sich zu einer einzigen lebendigen Antwort auf alles, es war, als liesse sich hier sämtliche, galaktische Wurmlöcher mit nur einem Augenzwinkern durchschreiten.
Als glücklicherweise endlich ein triftiger Grund diese Bankfiliale zu besuchen, in mein Leben getreten war, zögerte ich keine Sekunde und lies den Vorhang fallen, ich war nun bereit mich der Offenbarung, der namenlosen, nackten Wahrheit zu stellen.
Unsäglich glücklich darüber, an diesem Ort, an diesem äußersten Ende einer Schlange, die sich vor dem Hauptschalter gebildet hatte, stehend zu dürfen, erwartete ich voller Hingabe und Besessenheit mein Anliegen eine “Prepait Kreditkarte” zu beantragen, einem immer näher rückenden Sachbearbeiter zu gestehen– Denn das Leben hatte mir einmal zu viel bewiesen, das man es ohne diese “Prepaid Kredikrate” an den nächst besten Nagel hängen konnte– Verzaubert vom Glanz und der Erhabenheit des Ortes, ertrug ich geduldig den Gestank eines wirklich fetten Menschen der hinter mir mit einem weiteren fetten Menschen unverständliche Worte wechselte. Und es kümmerte mich auch in keinster Weise, das ich mich am äußersten Ende einer Schlange angestellt habe. Mein Blick wanderte gelassen umher. Ich zählte eine erstaunliche Anzahl von Automaten, vor denen sich kürzere und längere Schlangen gebildet haben. Ich verstehe, dass es diese Automaten sind, die das Zentrum, die Achse dieser Welten verkörpern.
Es gibt vier Varianten von Automaten. 1. der einfache Auszahlungsautomat, schlicht, schnörkellos, besticht durch seine einfache Bescheidenheit. 2. Der Ein und Auszahlungsautomat, beeindruckt durch seine sachliche Dominanz. 3. Automaten zum Abwickeln von Bankgeschäften, wahre Superhirne die in der Mitte des Raumes in einem magischen Kreis angeordnet wurden, ihr Anblick zeigt einem unmissverständlich, dass man in Ihrer Gegenwart Gott ein gewaltiges Stück näher gekommen ist. und 4. Die kleinen geschäftigen Bankauszugsautomaten, die unermüdlich und parteilos Gewissheit schenkende Belege ausdrucken.
Überwiegend schweigend und mit Geldgeschäften beschäftigt, stehen die Menschen entweder in einer dieser Schlangen, oder sonst wo herum. Neue Leute kamen hinzu, Andere verließen den Raum. Mindestens ein Duzend Bankangestellte, sowohl Weibliche als auch Männliche, saßen mit Buddha Gesichtern hinter ihren Schreibtischen und schauten freundlich auf weiß strahlende Flach-Bildschirme, an den hintersten Wänden befanden sich große Laserdrucker und zwei halb volle Wasserspender.
An den Wänden hingen große, eingerahmte verglaste Werbeplakate. Mein Blick überflog, die darauf abgebildeten, zähneknirschenden Gesichter und ich versuchte die Essenz all der dargestellten, lebenserhaltenden Finanzmodelle zu ergründen. Überwiegend ging es dabei um spezielle Anlage- und oder Kreditmöglichkeiten, angepasst an die entsprechende soziale Gruppe. Ich studierte eingehender, ein spezielles Finanzmodelle für junge Leute bis 29. Unter der Überschrift– Girokonto “Comfort Rein ins Leben Paket” waren sehr beruhigende Worte zu lesen. Es ist tatsächlich eine Erleichterung, wenn man entdeckt, das es auf diesem Planten ein “Rein ins Leben Packet” gibt. Des weiteren lese ich– “Anlage Checks mit System zum Ziel”. Vor Glück und Euphorie beinahe ohnmächtig, denn ich entdecke ein “Raus aus dem Leben Paket” und das “Vorfreude aufs Alter Packet” Also nun ist die ganze Sache wirklich rund. Man kümmert sich darum ins Leben hinein zu kommen und es wird auch dafür gesorgt, aus dem Leben einen Weg hinaus zu finden. Mit Gefühlen die meinen Puls in die höhe schießen lassen, suche ich begierig nach weiteren, nicht misszuverstehende Zeichen dieser Macht. Die gepflegten Gesichter der Hochglanz Plakaten, vermitteln trotz ihres durchweg debilen Grinsens, eine unbeschreibliche Zuversicht. “Vorsorgen und Absicherung” diese Worte sollen von nun an mein “Mandra” sein. Benommen wiederhole ich leise “Vorsorgen und Absicherung” Es ist wirklich sehr angenehm zu erfahren, das man heute noch alten, überlieferten Traditionen Achtung schenkt und man, wie wie unsere Ahnen, in den vergessen Tagen, den Leichen genügend Geld mit auf ihren Weg gibt, damit sie “Charon” dem greisen, düster drein scheuenden Fährmann, genügend Zaster in seine Knochenhand drücken können, damit sie auch tatsächlich, sicher und unbeschadet über den “Acheron” paddelt.
Natürlich liegen auch eine Menge von Broschüren aus. Ich erkenne auf ihnen die selben, debilen Visagen die in ein fernes unbekanntes Land blicken. Eine Broschüre war direkt auf die sozialen Gruppe der Studenten abgestimmt. Mädchen steht neben Roller, Junge mit Zeitung unterm Arm steht neben Mädchen, beide das selbe abartige Grinsen im Gesicht. Nichts gegen Studenten, aber über eine Sache müssen wir uns im klaren sein, innovative Feldzüge sind von mit “Ritalin” voll gedröhnten jungen Menschen, die besessen Nachschlagewerke auswendig lernen, um in einer Prüfung, einer Eminenz, den Inhalt runter beten zu dürfen, die ihr selbständiges Denken an der Garderobe abgegeben haben, die von aussen betrachtet, Hologrammen einer “Sat 1” Serie ähneln, nicht zu erwarten. Die Tatsache, dass genau diese Leute demnächst wichtige, gesellschaftliche Funktionen übernehmen, erfüllt mich nicht unbedingt mit Zuversicht, auf der anderen Seite beruhigt mich die Allgegenwart dieser Bankfiliale, ich erinnere mich an diese Pakete, daran das wenn ich gehen will, dies nur einem der Sachbearbeiter sagen muss, der wird dann die notwendigen Schritte in die Wege Leiten und “Cahron” dürfte dann hoffentlich auch kein Problem mehr darstellen. Erleichtert atme ich auf, es geht mir wieder besser, ich bin beruhigt!
Nun kam ich an die Reihe, ich war schon ganz aufgeregt, als ich einem großen, schlaksigen Typ mit Bart und schwarzem Haarkranz, einer ebenso schwarzen Weste und Bundfaltenhose mein Anliegen vor tragen durfte. Er beugte sich ganz nah an mein Ohr und flüsterte mir Unverständliche Worte hinein, es war bestimmt nur so was wie ein kleine Prüfung, er ist die Sphinx, und ich hatte das Rätsel zu lösen. Ich schaute ihn an, überlegte kurz und wiederholte einfach ein zweites mal das selbe Anliegen, das ich mir überlegt habe, dass eine “Prepaid Krditkarte” sicher eine gute Idee ist usw. Ich musste das Richtige gesagt haben, denn nun wurde mir die Erlaubnis erteilt, den nächsten Ring in Richtung Paradies zu betreten. Man brachte mich zu einem jungen, wirklich sehr smart aussehenden Sachbearbeiter. Er sass wie die Übrigen Sachbearbeiter gelassen hinter seinem erleuchteten Flach-Monitor und wusste sofort was ich wollte. Es schien, als besäße er gewissermaßen telepathische, übersinnliche Fähigkeiten und zweifellos war er bereits ein Meister dieser Macht von der ich umgeben war. Er verlangte nach meiner Identität, jetzt ging es um alles- mein Karma begann sich zu drehen, ich überreicht ihm meinen nagelneuen Personalausweis und gestand es ihm auch, dass er Nagel neu war. Schweigend und mit einem überlegenen Lächeln, tippte er meine Daten, meine gesellschaftliche DNA in seine Tastatur. Schweigend gab er mir die Karte zurück. Ich schaute mich in der Bakfiliale um und jetzt zerstreuten sich alle Zweifel, denn mir wurde unmissverständlich klar, worum es hier ging und wo ich hier tatsächlich gelandet war. Der junge Meister fragte nach meiner Kontonummer, das war der Moment, die Sekunde in der sich alles Entscheiden würde, ich war stolz sie ihm auswendig vorsagen zu können. Ich sammelte meine Kräfte, und sagte leise bescheiden: 514255358- er lächelte, offenbar war alle in Ordnung. Wieder war ich erleichtert und konnte mich zurücklehnen. Der Zen Meister stand auf und ging zu einem der Drucker um meinen Vertag zu holen, ich nutzte die Zeit und sah was wirklich um mich herum geschah.
Ich erblickte die Bankautomaten, die gebannten Blicke der Menschen, wenn sie ihre Geheimnummer und Wünsche in die Automaten tippten, all ihre liebliche Naivität, mit der sie die Früchte ihrer Existenz an diesem gesegneten Ort, durch ihre persönlichen Geheimnummern, ihren Pins, ihren Tans, Logins, Logouts, redlich ernten durften. Denn dadurch werden wir Teil des Ganzen und erstrahlen im Glanz eines wahrlich gnädigen Gottes. Ich verstand, was ein Kontostand für jeden von uns bedeutet. Ich schaute durch die Fenster der Kathedrale, auf die hell strahlende Sonne. Mein Sachbearbeiter trug ein graues langes Priestergewand und ich beantragte tatsächlich nichts anderes als meinen individuellen Ablassbrief.
Im gleißenden Licht der Flachbildschirme finden Segnungen, finden beichten statt. An den Wänden stehen die Hohenpriesterinen und überwachen ihre ergebenen Adepten sie reichen das Wehwasser den Exorzisten, die ihre Hände damit reinigen um als dann den verloren gegangenen Schafen, die in einer Insolvenz ertrinken, den Dämon der Armut aus zu treiben. Sie brachten sie zurück auf den Weg der “Vorsorge und Absicherung”.
Mein Sachbearbeiter erschien mit meinem Ablassbrief in der Hand. Wohlwollend schob er ihn über den Tisch, damit ich ihn unterzeichnen konnte. Panik ergriff mich, ich fand keinen Stift. Mein Zen Meister erkannte sofort was mit mir nicht stimmte und gab mir, mit dem selben Gleichmut seinen Kugelschreiber, ich stand kurz davor vor ihm ehrfürchtig auf die Knie zu fallen und ihm die Schuhe zu küssen. Ich unterschrieb und ohne seine Lippen zu bewegen, murmelt mein Zen Meister Worte aufs Geleit, diese Worte beantworteten mir meine letzten Fragen, Fragen die ich tief in meinem Selbst verborgen mit mir herum trug. Sorgfältig lege ich den Vertrag in meine Tasche und stand schweigend auf. Ich sehe wie die Leute vor den Automaten knien und beten, ein Mädchen mit goldenen Haaren zerreißt Überweisungen in kleine Stücke und legt die Papierschnipsel auf die Zungen der knienden Menschen.
Mit meinem Vertag in der Tasche bahnte ich mir einen Weg durch die in Ekstase geratenen Menschen, doch bevor ich die Kathedrale verlassen konnte, kniete auch ich vor den goldenen Engel und öffnete meinen Mund. Der blonde Engel streute einige Papierschnipsel auf meine Zunge und sagte. “Sei flüssig und bleibe flüssig” Dann erhob ich mich wieder und dann brach es aus mir heraus. Ich konnte nicht anders und spukte dabei die Schnipsel dem Engel ins Gesicht. Die Priester hinter den Monitoren schauten auf. Die Leute hielten in ihrer Beichte, kurz vor ihrer Absolution inne. Ein Mann verschüttet gedankenverloren Weihwasser, aber ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Ich musste es aus mir heraus schreien. Ich lies all meine Hemmungen fallen und schrie es über die Köpfe “Ja ich mache Onlinebanking, ich weiß nun, das ich mit Onlinebanking dem höchsten Gott am nächsten bin, dem Netz dem all umfassenden Netz!” Die Sachbearbeiter nickte, zustimmend und sanft. Ich verließ die Kathedrale. Umklammerte dabei meine Identitätskarte mit meiner feuchten Hand, ich fühlte mich beseelt. Denn ich war nun auch Teil des Ganzen, war glücklich mit diesem Ort mit dieser Zeit und mit diesen Menschen vereint zu sein. Ich fühlte das Universums durch meine Adern pulsierte, fühlte Gottes Nähe.
Tatsächlich hätte ich alles wie ich es eben beschreiben habe erlebt, wäre da nicht diese eine kleine Sache gewesen, diese eine kleine Sache, wäre die nicht gewesen so wäre sicher nichts an dem was ich gerade gesagt habe erlogen, hätte sich alles haar genau auch so abgespielt. Wären auf diesen Broschüren, auf diesen Plakaten nicht überall diese unglaublich debil grinsenden Gesichter abgebildet.
Seufzend blieb ich stehe, zog schließlich doch den Damenstrumpf über meinen Kopf und kramte meine “Sprinfiel Kalieber 45” aus der Tasche, zielte in die Runde und sagte “Nichts gegen Euren Gott, aber füllt mir einfach nur diese Tasche Randvoll mit Geld ok?!”
Rote Loge - Salon No.02 - 09.10.2009 im Restaurant Ponte Carlo

Der Text
Barbie Ken Skipper und Becky
Mein Morgen begann damit, das im Radio, der sich um 7 Uhr eingeschaltet hatte, damit ich nicht verschlafe, er begann damit, das die Frage aufgeworfen wurde, man stellte sie an die Hörer, dabei gab es sogar etwas zu gewinnen, Freikarten oder Gutscheine, für denjenigen, der die richtige Antwort wusste, und die Frage um die es ging lautete- „wie heißt Barbies kleine Schwester?“ Zwei Anrufer lagen mit “Shelly” falsch, obgleich sie damit gar nicht so falsch lagen, aber man wollte einen anderen Namen hören. Ich lag noch immer im Bett und verfolgte beim Aufwachen, wie die gewitzte Moderatorin verständnisvoll die Möglichkeit einräumte, dass “Shelly” ihres Wissens nach, auch Teil der“ Barbie“ Familie war oder immer noch ist. Sie gestand bereitwillig, das sie selbst keine „Barbie“ Lieberhaberin oder Kennerin sei. Als ich meine Augen schließlich öffnete wurde das Rätsel gelüftet der gesuchte Name lautet “Skipper!“- „Skipper“ das war offensichtlich die richtige Antwort.Die Älteste und erste Schwester von „Barbie“ heißt also “Skipper” Über den Namen nicht schlecht erstaunt ging ich in mein Bad- “Skipper” “Skipper” Ich verstehe nicht, wieso die älteste Schwester von „Barbie“ “Skipper” heißt. Was hat eine bescheuerte Puppe mit der Marine zu tun? Mit einer Person die ausgebildet wurde ein Segel Schiff zu navigieren, zu fahren und für seine Besatzung zu sorgen? “Skipper” Ich schob mir die Zahnbürste in den Mund. Der Name “Skipper” verfolgte mich noch eine Weile. Aus heitrem Himmel fiel mir “Ken” ein das ist bzw. war doch der Mann bzw. ist bzw. war der Freund von „Barbie“. Ich muss gestehen, dass ich über ihren aktuellen Beziehungsstatus völlig im dunkeln stehe. Dann überlege ich was an den Gerüchten “Ken” sei „Homsexuell“ tatsächlich dran ist. Natürlich könnte es sich dabei auch nur um eine bösartige Propaganda handeln. Wobei Homosexualität zur Zeit sogar ein bischen in Mode gekommen ist, insofern wieso nicht Homosexuell, besser als Pädophil. Im übrigen lassen sich diese Spitzfindigkeiten über eine entsprechende Suchmaschine spielend leicht herausfinden. Ich spüle den Mund mit einem Mundwasser, das nach Nelkenextrakt schmeckt, aus. Dann mache ich einen Kaffee. In meinem Kopf versuche ich mir „Barbie´s“ gegenwärtiges aussehen vorzustellen. Vor mir sehe ich diese aufgerissenen Augen und diesen halb offenem Mund. Mir ist mal zu Ohren gekommen, das man ihre Hüften etwas bereiter modelliert hat und allgemein wurden ihr gesündere Proportionen gegeben weil man das Risiko veringern wollte, das kleine Mädchen, während sie sich mit „Barbie“ identifizieren, an Bulimie sterben. Wie verantwortungsvoll Marktforschung sein kann. Als ich das kochende Wasser in die Kanne mit Kaffee goss muss ich an diese Mädchen denken, die alleine in ihrem Zimmer sitzen und für die „Barbie“ die einzige Bezugsperson darstellt. So was wünscht man doch keinem und drücke das Sieb durch die Glaskanne auf den Boden, um den Kaffeesatz vom aufgebrühten Kaffee zu trennen.
Was treibt „Ken“ wenn er alleine ist? Geht „Ken“ saufen? Glotzt „Ken“ Pornos? Muss „Ken“ für seinen Lebenunterhalt sorgen? Hat er geerbet? Wieso hat „Ken“ keinen Schwanz? Wieso sitzt „Becky“ im Rollstuhl? „Becky“ die einzige Puppe aus dem Hause „Mattel“ die ihre Zeit in einem sportlichen Rollstuhl fristen muss. Ich gieße mir Kondensmilch in meinen Kaffee. Ich finde es merkwürdig das „Becky“ so überaus glücklich aussieht. Ich rühre den Zucken in den Kaffee und versuche hinter die Strategie zu kommen, die einer behinderten „Becky“ ins Leben gerufen hat? Wünscht man die Zielgruppe auszuweiten, dadurch, dass man die behinderten, im Rollstuhl sitzenden Mädchen mit ein bezieht? Oder versucht man Menschrechtsverletzungsprozezsen prophylaktisch entgegen zu wirken, indem man behinderten Menschen den Zugang in die Welt von „Barbie“ nicht vor der Nase zuschlägt? Ich nippe an meinem Kaffee.
Taucht man in die Welt von „Barbie“, wird man mit seltsamen Fragen konfrontiert. Zum Beispiel ist es üblich, dass man die Köpfe unterschiedlicher Modelle austauscht um sie einfach mit anderen Namen wieder auferstehen zu lassen. Ich finde einige dieser Strategien können wirklich gruselige Züge annehmen. Ich setze mich mit meinem Kaffee in die Küche, schaue aus dem Fenster und denke dabei an die querschnittsgelähmte „Becky“. Ich versuche vernünftige Erklärungen für ihr Schicksal zu finden? Hatte sie einen Unfall? Kam sie schon so auf die Welt? Oder hat “Ken” sie aus Rücksichtsloserer Dummheit zum Krüppel gefahren? Während ich vor mich hin sinniere, taucht diese „Barbie“ Welt in ein ganz anderes, viel unbehaglicheres Licht. Angeblich hat “Barbie” einen Doktor Titel, in was eigentlich? Würde mich nicht wunder, wenn man irgendwann „Barbie“ mit kleinen Kunststoff Elektroschock Apparaten käuflich erwerben kann, dabei wird bekannt gegeben, dass „Barbie“ ihren Doktor in Psychiatrie gemacht hat. Es heißt, sie war nie verheiratet gewesen, sie lebte schon immer alleine, hat sämtliche Sport Arten, die man sich vorstellen kann, durch probiert. In den 60ern spielte sie noch Tennis, wieder aus marktwirtschaftlichen Gründen wurde auf elitäre Sportarten zunehmend verzichtet, jetzt sieht man sie mit prolligen Inliner in den Kinderzimmern herum liegen. Auch ihr Kleidungsstil unterlag in den Jahren einer dramatischen Wandlung.
Irgendwann hieß „Ken“ mal “Blaine” aber dann wurde er wieder “Ken” genannt. Ein Schizophrener Schub? Die Welt von „Barbie“ ist wie die Haut eines Chamäleons, sie passt sich optimal an die jeweiligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe an. Damit ein Maximum an verkauften Puppen gewährleisten wird, werden den Puppen keine tatsächlichen individuellen Noten zugestanden, die sich nicht zu Gunsten des Marktes wieder rückgängig machen lassen. „Barbie“ verkörpert wenn man es auf den Punkt bringt, die perfekte, vollkommene Anpassung. Um sich so vielen Menschen wie möglich ins Herz zu kaufen, musste „Barbie“ alle nur erdenklichen Identitäten durchlaufen. Während ich die Tasse mit dem Kaffee leere, komme ich zu dem vernichtenden Schluss; bei „Barbie“ handelt es sich einfach um die armseligste Prostituierte die mir unter die Augen gekommen ist. Und der schmierige “Ken” ist nichts mehr als ein pädophil wirkender Schwachkopf, der sich winselnd an kleine Jung´s ran macht. Um dieses leidliche Thema endlich zu den Akten zu legen, beschließe ich, das „Skipper“ die sympathischste Puppe von allen ist. Doch dann kommen mir ernsthafte Zweifel und ich werde das bestürzende Gefühl nicht mehr los, das „Skipper“ „Beckys“ Querschnittslähmung verursacht hat. Ich sehe wie sich „Skipper“ von hinten an die ahnungslose „Becky“ heranschleicht und sie einfach von einem Balkon hinunter schubst, während „Ken“ tröge und autistisch tatenlos neben einem pinken Kaprioltet steht und weder etwas sagt noch etwas tut. Eine wirklich unheimliche Welt. Aber was auf mich einen weit aus unheimlicheren Eindruck macht, ist die beängstigende Ähnlichkeit einiger Figuren aus dieser vermeintlich realen Welt, die dem Anschein nach keine Puppen sein sollen.
Rote Loge - Salon No.01 - 04.09.2009 in den Räumen Der “Ambassador Film”

Der Text
Fluxet: Wirkstoff bzw. Wirkstoffgruppe: Fluoxetin
Wirkung auf die Psyche als: Antidepressiva
54 Millionen Verschreibungen.
wird in Deutschland verkauft.
Mögliche Nebenwirkungen: Sehr häufig bei Fluxet: Bauchschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Obstipation (Verstopfung), Erbrechen, Flatulenz, Geschmacksveränderungen, Schluckbeschwerden. Zentralnervöse Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Müdigkeit, Angstgefühle, Zittern, Benommenheit, Schwindelgefühl, Störung Sexualfunktion (Impotenz, Verminderung Libido, Priapismus, verlängerte Erektion), Parästhesien, Alpträume, Denkstörung, Verwirrtheit, Unruhe. Schwäche, übermäßiges Schwitzen, Sehstörungen (verschwommenes Sehen), Juckreiz, Herzklopfen, Brustschmerzen, Brustschwellung, Hitzewallungen, Gliederschmerzen.Aphadisiakum oder Vollmantelgeschoss
Wir sitzen zwischen Stühlen an Schultischen in schlecht gelüfteten Räumen- man sagt uns, dass wir- um weiterhin ein unwichtiges Element der gesellschaftlichen Einheit sein zu können- nach einer bestimmten, unerklärlichen Sc hablone unser Leben, unser Verhalten, unsere Art zu sprechen, zu gehen, zu atmen, zu denken, zu lieben, zu schreiben, anzugleichen haben- ansonsten wird unser Leben, Denken, Handeln, unsere Zukunft im allgemeinen, in jeder Hinsicht sehr schwarz aussehen.
Denn im Grunde betrachtet man uns, ohne das es offen ausgesprochen wird, als ein feuchtes Stück Dreck! Obgleich es niemand hört, immer nur das Gegenteil beteuert wird, wird man dieses dumpfe Gefühl nicht los, das Gefühl, dass es eigentlich so ist.
Es sieht nun mal so aus. Keiner wagt es die Worte ausdrücklich und unmissverständlich in den Mund zu nehmen. Die Welt der Missverständlichkeit. Offenheit ist nicht Zierrat der Zeit!
Du taugst Nichts lautet das Motto!
Aber weit weit in der Ferne, wenn die Sternlein vielleicht günstig stehen und der Herrgott gnädig, wird doch noch was aus Hänschen!
Das zumindest sagen die Herren, die es gut mit Hänschen meinen und ihn mit “Fluxet” aus stopfen. Mit den letzten wohlwollenden Worten, schüttelt man seine Hand ganz lahm.
Die Angst vor Bestrafung hält mich davon zurück gleich zu zu schlagen!
Aber nein, es hat sich immer noch nichts gebessert, immer noch kein annehmbares Verhalten, das in den Fachbüchern unter der Rubrik Normal verzeichnet ist. Zuguterletzt findet die Überweisung zu einem Facharzt statt- ein Fragebogen soll Anpassung in meine abtrünnig gewordene Hirnrinde bringen, schließlich rieselt „Fluxet“ in rauen Mengen, wie zerriebenes Fensterglas über „Hypothalamus“ und „Hypophyse“-
niemand möchte meinen verwirrten Blick länger ertragen!
Die letzten Schritte zählen, Zeit zurück spulen, bitte nicht hin schauen wo alles anfing! Nein- es interessieren keine Ursachen. Das tun wir lieber nicht, denn- auch wenn jemand genügend Zeit mit brächte, so gäbe eh keinen Hinweis, nach was überhaupt gesucht werden will.
Der Geist- viel zu lange tabu!
Lieber gleich eine ganze Monatspackung „Fluxet“ verschlingen, oder zumindest in Reichweite haben, im Falle von nervtötenden Fragen!
Neben dem Bett in der Nachttischschublade, im Falle von überrschaenden Albträumen!
Wo Endet das? Das wissen die Zeitungen. Keine Angst, die Gründe sind unwichtig. Weil dem Denken Wenige erliegen.
Das Kind war gerade 16 Jahre alt, man spricht in dem Alter nicht mehr von Kind.
Sowieso kann man nichts tun. Was gebraucht wird, um den modernen Anforderungen zu entsprechen, sind hoch inovative Eliteuniversitäts-Absolventen, vorzugsweise aus „Yale“, „Oxford“, „Harvard“ usw. Und den Rest wird als Kohllateralschäden oder Ausschuss zu den Akten gelegt. Das ist wie mit der Primär und Sekundär Beziehung, man bringt sie einfach entsprechend unter!
Kein besonderes Bildungserlebnis, aber sind genügend Lämmer zusammen getrieben, wird schnell klar, das Gras das einzige ist, für was man aufkommen muss.
Man möchte sich nicht nachsagen, man hätte Lämmer verhungern lassen.
Also- Morgens, Mittags und Abends zwei Kapseln „Fluxet“!
Mit dem Wort „Unglücklich“ war mein Zustand längst nicht mehr zu beschreiben. Unglück setzt Glück voraus. Aber ich hatte zunehmend das Gefühl, als hätte man mich gefesselt in ein tiefes Loch geworfen und nun muss ich von dort unten nach oben schauen, manchmal sehe ich Leute dort oben am Rand, wie Schatten, herum stehen.
Mit jeder Kapsel stürze ich ein Stück tiefer- weg von Allem! Es existieren keine Worte, die mein Lebensgefühl beschreiben können. Worte die sagen wie die Welt aus meiner Position erscheint. Mit jeder Kapsel ein Stück tiefer.
Sprachlos und unfähig Worte zu finden, „aphatisiert“ vor einem Fernseher kauern und diese systematisch konstruierten, synthetik Personen über mich ergehen lassen müssen.
Die entweder ihr unerreichbares, olympisches Leben hinter Panzerglas zelebrieren oder denen ihr olympisches Leben gerade demontiert wird. Aber völlig egal wie es um sie steht. Nichts ändert sich dadurch an meiner Verstummung am Grund des Loches.
Schnell fort, in die Küche rennen, etwas zu essen holen, vielleicht ein Jogurt oder ein Müsliriegel angereichert mit Proteinen. Lebensergänzungsmittel!
Am Dienstag der Termin bei meinem Therapeuten, er stellt immer dieselben Fragen, und schielt dabei auf seine Armbanduhr und ich frage mich dabei, was IHM eigentlich durch den Kopf geht?
Ohne „Fluxet“ geht nichts mehr- wird mir gesagt. Wer sind diese Schatten? Unten am Grund meines Loches muss ich wegen des gleißenden Lichtes dieser Zivilisation atemlos blinzeln- Was, wenn überhaupt keine Worte mehr über meine Lippen kommen?
Trotz des Vorhandenseins von Lippen? Was kompensiert „Fluxet“ und was kompensiert seine tödlichen Nebenwirkungen? Der Magen löst sich auf, die Lebenserwartung sinkt.
Das interessiert nicht, denn sterben müssen wa eh alle mal. Wieso dann nicht früher, dafür aber mit hochgerissenen Mundwinkeln!
Meine Überlegungen gehen weiter, so weit, dass ich mir vorstelle, das mein Glück nicht nur mir vorbehalten sein darf. Liebe ist doch was für Faschisten, denke ich am kalten Bodensatzes meines Loches und wieso nicht ein paar Geschosse in die Welt hinein feuern? „Vollmantelgeschosse“ am Besten!
wieso nicht?!
Mein „Fluxet“ hat dabei geholfen. Ich bin jetzt dazu bereit, das mir entgegengebrachte Glück der Welt zurück zu geben. Leider will es mir nicht vollständig gelingen, das Resultat all der ekelerregenden Dinge, denen ich mich ausgeliefert sah, vor mir und der Welt zu verbergen.
Ich sehe mich als ein „Vollmantelgeschosse“ , das sich jemanden ungefragt in seinen stinkenden Fettwanst bohrt!
Viel zu lange schon verfaule ich in diesem Loch und ersehne langsam den Zeitpunkt meiner Wiedergeburt, ersehne den Tag an dem ich als „Vollmantelgeschoss“ zurück kommen werde. Dann beginnt mein neues Leben.
Ein Leben, das diese immer schönen Männer und Frauen in ihren herzzerreißenden Fernsehsendungen Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, zum Besten geben!
Als “Vollmantelgeschoss” mit ihnen verschmolzen, wäre ihr Leben dann auch das Meinige! Ich, das zu einem Nichts verkommen, wäre dann endlich ein Teil des Ganzen, Teil ihres Lebens- und das für immer!